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Riester-Rente reicht nicht: Deutsches Aktieninstitut fordert Reform der Altersvorsorge

Riester-Rente allein reiche nicht: Deutsches Aktieninstitut fordert Reform der AltersvorsorgeDas Deutsche Aktieninstitut (DAI) und seine Partner aus der Bankenwelt sehen laut einer gemeinsamen Studie im langfristigen Halten von Aktienpaketen die dringend gebotene Erweiterung der individuellen Altersvorsorge. Weil ein risikoarmes Portfolio über einen Zeitraum von 30 Jahren und mehr immernoch eine Rendite von vier bis zehn Prozent abwerfen kann, ließe sich auf diese Weise die unvermeidliche Rentenlücke schließen. Aus den Studienergebnissen folgt der unmittelbare Aufruf an die Politik, zur Förderung der Aktie als Anlagemöglichkeit tätig zu werden. Als Verband deutscher Kapitalmarktunternehmen ist dem DAI die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland gerade im internationalen Vergleich noch zu niedrig. Hier könne zu anderen Volkswirtschaften deutlich aufgeholt werden.

Gemeinschaftsstudie

Anfang Dezember wurde vom DAI in Kooperation mit der Privatbank B. Metzler seel. Sohn & Co., der DekaBank und Union Investment die Studie „Lebensstandard im Alter sichern – Rentenlücke mit Aktien schließen“ als gemeinsamer Aktionsplan „Aktienorientierte Altersvorsorge“ vorgelegt. Hauptaugenmerk der Autoren lag dabei auf den langfristigen Renditevorteilen von Aktien im Vergleich zu anderen Formen der privaten Altersvorsorge (Riester-Rente Fondssparplan). Dabei wird gezielt der Vergleich mit der Bedeutung von Aktien als Altersvorsorge in anderen Ländern angestellt.

In der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie (Altersvorsorge in Deutschland – Ohne Aktien geht es nicht) unterstreicht DAI-Vorstandsmitglied Christine Bortenlänger, dass für ihre Einrichtung die Stärkung der gesetzlichen Rente mit ihrem Umlageverfahren keine erfolgversprechende Maxime sei. Es versteht sich somit von selbst, dass der ehemalige „Arbeitskreis zur Förderung der Aktie“ folgerichtig den Stellenwert von Anteilsscheinen für weiter ausbaufähig hält.

Dafür, dass sich Aktien als Ergänzung (zum Beispiel zur Riester-Rente) gut eignen, wird besonders ein Argument vorgebracht: Aktien würfen über Zeiträume von über 30 Jahren im Schnitt eine Rendite von 10 Prozent ab. Von einer höheren Konzentration der privaten wie betrieblichen Altersvorsorge auf langfristige Aktienanlagen erhoffen sich Auftraggeber und Autoren der Studie das erfolgreiche Schließen der Rentenlücke.

Branchenbedingter Zweckoptimismus

Jeder, der sich mit Aktien und ähnlichen Finanzprodukten und ihren Erträgen in der Zukunft beschäftigt, begegnet dem selben, fundamentalen Problem: Wir haben keine Daten aus der Zukunft. Alles was man messen kann, ist die Vergangenheit. Aus diesem Grund lassen sich nur aus der bisherigen Leistung Schlüsse ziehen. Langfristige Aktiensparpläne konnten „in der Vergangenheit eine durchschnittliche nominale Rendite (aus Kursgewinnen und Dividenden) von sieben bis zehn Prozent pro Jahr“ erzielen (Studie „Aktienorientierte Altersvorsorge“, S. 3). Darüber hinaus kann man nur noch Modelle zur Hilfe nehmen, um Aussagen über zukünftige Renditen treffen zu können. Doch jedes Modellergebnis hängt von den getroffenen Annahmen ab. Am Ende weiß niemand, was innerhalb der nächsten dreißig Jahre in der Welt und auf den Kapitalmärkten passieren wird.

Prinzip der Ergodizität in der Statistik

In den Wirtschaftswissenschaften unterscheidet man methodisch zwischen zwei Lagern. Die einen Theoretiker sind Anhänger des ergodischen Axioms, welches einfach ausgedrückt besagt: Die Zukunft ist so stabil, dass man sie mittels Daten aus der Vergangenheit genau genug beschreiben kann. Das andere Lager dagegen lehnt diese fundamentale Annahme ab, weil die Welt zu dynamisch und chaotisch sei, als dass man verlässliche Aussagen über zukünftige Entwicklungen treffen kann.
Innerhalb der ökonomischen Disziplin geht es mit dieser Debatte um die Frage der eigenen Wissenschaftlichkeit (zum Beispiel in diesem Papier).

Je nachdem, welchem Lager man (insgeheim) angehört, lassen sich Aussagen über Kapitalrenditen für die lange Frist treffen oder eben nicht.

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