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Produktvergleich bei Altersvorsorge: PIB mit Nachbesserungsbedarf

Produktvergleich bei Altersvorsorge: PIB mit NachbesserungsbedarfDass ab 2017 jeder Verbraucher neben dem Angebotsvorschlag auch ein genormtes, zweiseitiges Produktinformationsblatt (PIB) bekommen muss, war ein großer Schritt hin zu besserer Information der Verbraucher. Doch mit einem Vorstoß zum Ziel kam man dabei keineswegs. Der Laie ist ratlos, Fachleute wundern sich.

Großer Wurf traf sein Ziel noch nicht

Seit dem 01.01.2017 muss per Gesetz jedem Vertrag über ein Riester- oder Rürup-Produkt das zweiseitige Produktinformationsblatt – kurz PIB – beiliegen. Wie der Name schon sagt, ist es eine Art Steckbrief über das Vorsorgeprodukt, zu dem ein Angebot vorgelegt wurde.

Doch wie sich mehr und mehr zeigt, konnte das PIB Verbraucher nicht so einfach in die Lage versetzen, auf eigene Faust die verschiedenen Produkte zu vergleichen. Zwar wurden Aufbau und Gehalt vom Bundesfinanzministerium umfangreich definiert und vorgegeben. Doch sind entscheidende Punkte nicht vereinheitlicht worden.

PIB: Bessere Information für den Verbraucher

Die guten Absichten des Gesetzgebers sind deutlich erkennbar. Allen Verbrauchern sollen objektive Informationen in einheitlichem Format ausgehändigt werden. Fehlinformation und Verwirrungen beim Produktvergleich sollten ein Ende haben. Das Vorhaben dürfte Verbraucher und Verbraucherschützer freuen.

Um wirklich alle Produkte miteinander vergleichen zu können, braucht es einheitliche Maßstäbe. Die Lösung für das PIB fußt vor allem auf die Einordnung der Angebote in Chancen-Risiken-Klassen. Dahinter steckt die Idee, dass sich Verbraucher erst für eine bestimmte Klasse entscheiden und dann konkrete Produkte miteinander vergleichen. (Riester-Rente einfach erklärt)

Die PIA

Für die Zuordnung in die 5 Chancen-Risiko-Klassen (CRK) ist die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) mit Sitz in Kaiserslautern zuständig. Anhand von Simulationen und der Berechnung verschiedener Szenarien wird jedes Produkt unter die Lupe genommen. Unter verschiedenen Testbedingungen zeigt sich dann, ob es sich um riskante oder sichere Vorsorgeprodukte handelt.

Die konkreten Modellrechnungen werden durch Spezialisten des Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik durchgeführt.

Durchblick nur für Versicherungsmathematiker?

Den grundlegenden Ansatz in den Überlegungen zum PIB kommentierte Matthias Hundt, Chefredakteur des Magazins procontra so: „Die Empfehlung sich zunächst auf einen Produkttypen festzulegen, bevor man den Kostenvergleich angeht, ist schlichtweg praxisfern, wenn gleiche Produkttypen in unterschiedlichen CR-Klassen landen. Der traurige Höhepunkt der PIB-Recherchen war die Aussage aus einem Versicherungsunternehmen: ‚Für einen Kunden, der nicht aus einem Aktuariat stammt, ist ein Vergleich in allen Punkten schwer.‘ Angesichts des Zieles ‚leichter Verständlichkeit‘ ein vernichtendes Urteil.“ (procontra-online.de, 13.02.2017)

Sollten mit Hilfe des Produktinformationsblattes wirklich nur studierte Fachleute einen umfassenden Vergleich anstellen können, wäre das Ziel des Gesetzgebers in der Tat deutlich verfehlt. Doch kann mit Recht festgehalten werden, dass die Einführung des PIB ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war. Bis man aber am Ende eine wirklich verständliche, knapp gefasste und nachvollziehbare Handreichung zum Riester- oder Rürup-Vertrag hat, bis dahin sind noch einige Verbesserungen notwendig.

Verbraucher haben vollen Zugriff auf sämtliche PIB

Zugriff auf sämtliche Produktinformationsblätter gewährt das Bundeszentralamt für Steuern. Die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten wie der Riester-Rente (Riester-Rente Anbieter) sind dazu verpflichtet, die Verlinkung von PIB auf ihren eigenen Internetseiten der Behörde zu melden. Diese erstellt daraus eine vollständige Liste. In einem Dokument sind sämtliche Internetlinks aufgeführt.

Bei Interesse kann also sich jeder Verbraucher diese Liste herunterladen und eine beliebige Anzahl an PIB abrufen. Die amtlich genormten Informationsblätter sind frei zugänglich. Von der Form, wie die Informationen dargestellt werden, darf kein Anbieter abweichen. Und auf dieser Ebene ist ein Vergleich wesentlich leichter möglich.

Fazit: Beratung vom Experten bleibt weiter notwendig

Wenn es um die inhaltlichen Details geht, wird bis auf weiteres jedoch noch immer die Erläuterung durch einen Spezialisten notwendig sein. Denn Laien wissen nicht mit jeder Information der PIB etwas anfangen können. Und auch Versicherungsexperten dürften schwer nachvollziehen können, weshalb eigentlich gleichwertige Produkte unterschiedlichen Chancen-Risiken-Klassen zugeordnet werden.

Wenn es schließlich die Methoden und die Techniken eines wissenschaftlichen Instituts braucht, um auf die Sortierung nach 5 CRK-Stufen zu kommen, wie sollen da Laien und Berater diese Einstufung nur anhand des PIB erklären können?

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