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Euro-Rente: Brüsseler „PEPP“ soll Altersvorsorge in Europa stärken

Euro-Rente: Brüsseler "PEPP" soll Altersvorsorge in Europa stärkenAm heutigen Nachmittag war es dann soweit. Die ersten Berichte über die Präsentation der EU-Kommission wurden veröffentlicht. Zuvor sprach Vize-Kommissionspräsident Dombrovskis am Mittwoch exklusiv mit dem Handelsblatt über PEPP. Dabei handelt es sich um die geplante Harmonisierung der privaten Altersvorsorge innerhalb der EU. In der Versicherungsbranche gab es unterschiedliche Stimmen.

Details der EU-Verordnung zur Altersvorsorge angekündigt

Im exklusiven Gespräch mit der Düsseldorfer Tageszeitung Handelsblatt erinnerte am Mittwoch Valdis Dombrovskis, Vize-Präsident der EU-Kommission, an die für heute angekündigte Vorlage zum Pan-European Personal Pension Product (PEPP). Dabei handelt es sich um die geplante Verordnung zur Harmonisierung der privaten Altersvorsorge in den EU-Mitgliedsstaaten.

Tritt PEPP einmal in Kraft, wird dies wohl das Ende eines europaweiten Flickenteppichs von sehr unterschiedlichen Formen der privaten Altersvorsorge und ihrer staatlichen Förderung bedeuten. Welche Folgen PEPP für die Riester-Rente genau haben wird, ist allerdings noch nicht absehbar.

PEPP soll Sparern und Anbietern nützen

Gegenüber Handelsblatt erklärte Dombrovskis die zwei wichtigsten Ziele von PEPP. Erstens soll durch die neuen Standards der europäische Kapitalmarkt belebt werden. Zweitens soll mit einer weit größeren Produktvielfalt die private Altersvorsorge in ganz Europa an Attraktivität gewinnen. Für Dombrovskis liegen die Vorteile damit bei den Finanzunternehmen und bei den Verbrauchern.

In seiner Rede vom 06. Juni zum Abschluss der Pensions Europe 2017 Konferenz nannte Dombrovskis  die Vorteile für Sparer. So biete PEPP zusätzliche Optionen für die private Altersvorsorge und ergänze damit bestehende Lösungen. Es würde unterschiedlichen Anbietertypen offen stehen und insgesamt die Kernleistungen EU-weit harmonisieren. Sparer könnten dann wesentlich leichter von ihrem Anbieter zu einem anderen wechseln. Ein „EU-Riester“ ließe sich schließlich auch dann noch weiter bedienen, wenn ein Sparer zum Arbeiten oder Studieren ins europäische Ausland wechselt. (Vize-Präsident Valdis Dombrovskis am 06.06.2017 in Brüssel)

PEPP: Gleichstellung bei der staatlichen Förderung

Geht es nach dem Wunsch der EU-Kommission, werden europäische Produkte gleichberechtigten Zugang zu nationaler Forderung erhalten. Allerdings heißt es in dem heute veröffentlichten Faktenblatt der Kommission, dass es den Mitgliedsstaaten überlassen bleibt, ob sie ihre Förderungssysteme den PEPP-Produkten öffnen wollen. Dann wären beispielsweise PEPP-Verträge aus Frankreich im selben Maße vom deutschen Staat zu fördern wie klassische Riester-Verträge. (Riester-Rente Förderung)

Im Vergleich mit z. B. deutschen Regelungen dürfen mit dem PEPP-System die Anbieter mit der Mindesvertragslaufzeit sowie der minimalen Beitragshöhe flexibler umgehen als klassische Produkte.

GDV 2015: Vorsichtiger Optimismus

Ende 2015 erklärte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, seine damalige Position zum Vorhaben aus Brüssel für eine „Europa-Rente“. Im PEPP konnte Erdland einen wichtigen Schritt in Richtung einer gestärkten privaten Altersvorsorge in ganz Europa erkennen. Vor allem sei etwas auf EU-Ebene gegen das sinkende Rentenniveau zu tun.

Vor 2 Jahren waren Erdland und der GDV noch optimistisch gestimmt. „Wenn es gelingt, ein Vorsorge-Produkt zu schaffen, das die Anforderungen an eine gute Altersvorsorge auf einen gemeinsamen europäischen Nenner bringt – das wäre ein schöner Sprung nach vorne“, sagte der Verbandspräsident. (experten.de vom 09.09.2015) Jedoch konnte zum damaligen Zeitpunkt das diskutierte Vorhaben den GDV noch nicht ganz überzeugen.

GDV 2017: Gewachsene Befürchtungen

Mit gewisser Spannung werden die konkreten Ausführungen der EU-Kommission, die für heute angekündigt worden sind, erwartet. Im Vergleich zu seiner vorsichtigen Begrüßung des PEPP-Vorstoßes in 2015 zeigt sich der GDV jetzt kritischer. Gegenüber dem Handelsblatt äußerte sich Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, besorgt. So befürchte die deutsche Versicherungswirtschaft eine „Verwässerung der sozialpolitischen Qualitätskriterien für die private Altersvorsorge“, so Schwark. (Quelle)

ProRiester-Initiative schult Vermittler und Makler

Bis es mit PEPP soweit ist, gibt es für Befürworter der deutschen Riester-Rente weiterhin genug zu tun. So ist man beispielsweise bei der Initiative ProRiester darum bemüht, Argumente für und wider diese Form der privaten Altersvorsorge gegenüberzustellen. Auf welcher Seite dabei das gemeinsame Projekt der Bayerische Beamten Lebensversicherung und des Unternehmens Softfin steht, macht der Name deutlich.

Versicherungsmakler sollen durch Web-Seminare (kurz: Webinare) zu Profis in Sachen Riester-Rente werden. Damit will ProRiester die Sparer dabei untersützen, kompetente Beratung zu finden. Schließlich betonen die Spezialisten zwar, wie einfach eigentlich Riestern funktioniert. Aber für den Laien gibt es doch so einige Punkte, bei denen Berater für Klarheit sorgen können. Das Abbauen der Hürden für Verbraucher soll zur Verbreitung der Riester-Rente beitragen. (Riester-Rente einfach erklärt) Schließlich stellen sich Fürsprecher wie ProRiester den Unkenrufen entgegen und sehen in der Idee hinter den Riester-Produkte eine geeignete Lösung des demografischen Wandels im Rentensystem.

Fazit

Für eine Beurteilung der langfristigen Folgen, die mit PEPP auf die Riester-Rente und die gesamte private Altersvorsorge zukommen, ist es derzeit noch zu früh. Aktuelle Stellungnahmen aus der Versicherungswirtschaft stehen noch aus. Die interessierte Öffentlichkeit wartete gespannt auf das, was heute aus Brüssel kam. Nun werden sich die Experten in beiden Lagern genau mit PEPP befassen müssen, um zu einer fundierten Bewertung zu kommen.

In den kommenden Wochen und Monaten ist daher mit entsprechenden Positionierungen zu rechnen. Sollten die Hoffnungen auf eine Belebung des europäischen Kapitalmarktes sowie eine größere Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge erfüllt werden, kann PEPP für die Riester-Rente in Deutschland positiv wirken. Zumindest kann die Branche nun die veröffentlichten Details zur geplanten Harmoniserung studieren (Link zum Dokument in englischer Fassung).

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