Riester Rente

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Riester-Rente vor dem Aus? Deutschland-Rente und weitere Reformideen

Riester-Rente Kritik und ReformvorschlägeZu bürokratisch, zu kompliziert, zu geringe Rendite und zu hohe Gebühren – Die Riester-Rente steht seit Jahren in der Kritik. Inzwischen gibt es zahlreiche Reformvorschläge, die von Fachleuten heiß diskutiert werden.

Reformvorschläge von allen Seiten

Nachdem Hessen mit der Deutschlandrente einen Vorstoß wagte, gibt es auch von anderer Seite immer mehr Änderungsvorschläge. Wirklich abschaffen, will die Riester-Rente jedoch kaum jemand. Die Reformvorschläge kommen dabei von ganz unterschiedlichen Seiten. Die interessantesten Ideen stammen aus Hessen, vom GDV, dem IVFP und der Initiative Pro Riester.

Hessen stellt die Deutschland-Rente vor

Die hessischen Minister Thomas Schäfer (Finanzen), Tarek Al-Wazir (Wirtschaft) und Stefan Grütter (Soziales) haben bereits vor einigen Monaten ihr Modell der Deutschland-Rente vorgelegt. Der Vorschlag sieht vor, dass jeder sozialversicherungspflichtig Beschäftigte automatisch in eine Altersvorsorge einzahlt. Es sei denn er ist bereits über die betriebliche Altersvorsorge ausreichend versorgt oder widerspricht der Einzahlung aktiv.

Hessens Vorschlag: Eine staatlich organisierte Altersvorsorge

Bei der Deutschland-Rente handelt es sich um eine staatlich organisierte Altersvorsorge, bei der der Versicherte nur aktiv werden muss, wenn er diese Art der Vorsorge nicht wünscht.
Die Anlageprodukte müssen ähnlich wie bei der Riester-Rente bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllen. Mit dem Ziel, dass auch ein späterer Wechsel zwischen den Produkten möglich ist. Außerdem sollen die Garantien flexibler gestaltet werden, sodass sich die Versicherten auch für Produkte entscheiden können, die keine Garantien bieten, dafür jedoch höhere Rendite ermöglichen (Quelle).

GDV: Förderkreis erweitern, Zulagenverfahren vereinfachen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) bekennt sich klar zur Riester-Rente und steht den verschiedenen neuen Modellen, wie auch der Deutschland-Rente, eher kritisch gegenüber. Nichtsdestotrotz sieht auch der GDV Verbesserungsbedarf bei der geförderten Altersvorsorge.

Der Verband wünscht sich vor allem eine Vereinfachung des Zulagenverfahrens und eine Erweiterung der förderfähigen Personen auf Selbständige. Des Weiteren müssen die Förderung und der Förderhöchstbetrag nach Ansicht des GDV angepasst werden.

IVFP: “Riester II”

Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) möchte die Riester-Rente einfacher und renditestärker machen. Das IVFP hat in Kooperation mit der DWS (Teil der Deutschen Bank Gruppe) und im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge ein Studie zum Thema „Die Renditechancen der (fondsgebundenen) Riester-Rente im aktuellen Marktumfeld“ (PDF-Datei) erstellt.
Das Fazit der Studie: “Die Riester-Rente ist nicht mehr zeitgemäß.” Daher sieht Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP, dringenden Handlungsbedarf. Riester II soll folgende Überarbeitungen enthalten:

  • Beitragsgarantie abschaffen oder flexibler gestalten
  • Riester-Rente für alle öffnen (Riestern darf bisher nur, wer verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt.
  • Aufgaben der zentralen Zulagenstelle sollen Finanzämter übernehmen
  • Riester-Sparer soll frei wählen zwischen Sicherheit und höheren Renditen

Initiative Pro Riester: Steuervorteile reinvestieren

Die Initiative Pro Riester zielt mit ihren Reformvorschlägen in eine ähnliche Richtung wie das IVFP. Auch der Riester-Experte Joachim Haid ist der Meinung, dass die Beitragsgarantie abgesenkt werden muss, damit die Riester-Rente attraktiv bleibt. Des Weiteren plädiert auch er im Namen der Initiative Pro Riester dafür, dass die Riester-Rente für alle zugänglich gemacht wird. Einig sind sich IVFP und Pro Riester auch hinsichtlich der Aufgabenverteilung. Da die Finanzämter bereits über die relevanten Daten verfügen, sollen sie die Bearbeitung der Zulagen übernehmen.

Haid geht mit seinen Reformvorschlägen allerdings noch weiter und plädiert dafür, gewährte Steuervorteile automatisch in der Riester-Rente zu investieren und nicht an die Versicherten auszuzahlen. Mit dem Ziel, die Rentenansprüche weiter zu erhöhen. Schließlich sieht auch Haid ein Problem beim Förderhöchstbetrag. Sein Vorschlag lautet, sich hier an der Beitragsbemessungsgrenze zu orientieren.

Wie ist der aktuelle Stand?

Zum Jahresanfang 2018 wurde die Grundzulage von 154 Euro auf 175 Euro angehoben. Außerdem trat zum 1. Januar 2018 das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft.
Bisher wurde bei Rentnern, die auf Grundsicherung angewiesen sind, die Riester-Rente komplett mit der Grundsicherung verrechnet. Nun gibt es einen Freibetrag in Höhe von 100 Euro. Ist die Riester-Rente-Auszahlung, höher sind noch 30 Prozent anrechnungsfrei. Ab 202 Euro muss die Riester-Rente in der Auszahlphase jedoch weiterhin mit der Grundsicherung verrechnet werden. Trotzdem bringt die neue Freibetragsregelung eine deutliche Erleichterung für Geringverdiener.

Die Pläne der Bundesregierung

Mit der Erhöhung der Grundzulage und der Einführung von Freibeträgen in der Grundsicherung während der Auszahlphase der Riester-Rente hat die Bundesregierung Handlungsbereitschaft gezeigt. Auch im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wird zu dem Thema Stellung genommen. Als Ziel formulieren die Koalitionspartner, dass die private Altersvorsorge weiterentwickelt und gerechter gestaltet werden soll. Mit dem einher geht auch das Vorhaben, ein „attraktives standardisiertes Riester-Produkt“ zu entwickeln.

Alternativen zur Riester-Rente

Die Kritik an der Riester-Rente wirft die Frage nach Alternativen auf. Vielen Menschen dürfte die gesetzliche Rente nicht genügen, um den gewohnten Lebensstandard auch im Alter halten zu können. Dementsprechend groß ist das Angebot an privaten Altersvorsorgeprodukten.

Alternativen im Kurzüberblick

Rürup-Rente
Die Rürup-Rente wird ebenso wie die Riester-Rente staatlich gefördert. Doch im Gegensatz zur Riester-Rente ist sie besonders für Selbständige interessant ist. Die Förderung erfolgt bei der Rürup-Rente nicht über Zulagen, sondern ausschließlich über steuerliche Vorteile. Wer sich für die Rürup-Rente entscheidet, erhält ab dem vertraglich vereinbarten Auszahlungsbeginn eine monatliche Rente ausgezahlt.

Kapitallebensversicherung
Mit der Kapitallebensversicherung spart der Versicherte Geld an. Die Versicherung verzinst die eingezahlten Beiträge zu einem festen Zinssatz und gewährt zusätzlich eine jährlich Gewinn- und Überschussbeteiligung. Die Kapitallebensversicherung ist eine sichere Anlage, deren Rendite jedoch überschaubar sind.

Fondsgebundene Lebensversicherung
Die fondsgebundene Lebensversicherung ist eine Variante der Kapitallebensversicherung, die allerdings höhere Rendite verspricht. Das Geld wird in Fonds investiert. Damit ist diese Form der Altersvorsorge auch etwas risikoreicher und eignet sich vor allem für jüngere Leute. Längere Vertragslaufzeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Kursschwankungen nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Private Rentenversicherung
Die private Rentenversicherung funktioniert ähnlich wie die Riester-Rente, nur ohne staatliche Förderung. Der Versicherte zahlt monatliche Beiträge, die von der Versicherung angelegt und verzinst werden. Das angesparte Guthaben wird als Einmalzahlung oder in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt.

Ist die Riester-Rente noch zu retten?

Die Riester-Rente wird in naher Zukunft wohl nicht abgeschafft werden. Trotzdem zeigt die Kritik, dass dringender Reformbedarf besteht. Unterstützt wird diese These von aktuellen Zahlen, die belegen, dass die Neuabschlüsse rückläufig sind und ein großer Teil bestehender Riester-Renten ruhend gestellt ist.

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