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Niedrigzinsphase und Garantiezins: Wie sichern sich Riester-Versicherer ab?

Spätestens seit der weltweiten Finanzkrise Ende der 2000er Jahre befinden wir uns in einer Niedrigzinsphase. Dies bedeutet, dass die europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins seit 2008 kontinuierlich gesenkt hat – damals lag er noch bei 4,25%, jetzt, im Jahr 2020, bei 0%. Banken orientieren sich an diesem Zinssatz, darum bekommt man aktuell für Tagesgeld- und Festgeldkonten kaum noch Zinsen. Dies hat auch Auswirkungen auf den Garantiezins der Lebensversicherer, denn auch die Versicherer legen das Geld der Versicherten auf dem Kapitalmarkt an. In diesem Artikel beleuchten wir, wie Versicherer trotz Niedrigzinsphase ihre Garantien gewährleisten.

Müni Beitrag vom 26. Mai 2020 von Müni

Zuletzt aktualisiert am 26. 05 2020

Was ist der Garantiezins?

Der Garantiezins (eigentlich: Höchstrechnungszins) der deutschen Lebensversicherer ist eine vom Bundesfinanzministerium festgelegte Größe, deren Höhe veränderbar ist. Die Empfehlung für die Höhe des Garantiezinses kommt immer von der Deutschen Aktuarvereinigung und richtet sich nach der Rendite der Euro-Staatsanleihen im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Der Garantiezins darf höchstens 60% dieser Rendite betragen.

In 2020 liegt der Garantiezins bei nur noch 0,9%, Ende der 1990er Jahre lag er bei 4%. Dieser Wert stellt die maximale Verzinsung dar, die ein Versicherer seinen Kunden versprechen darf. Auch weniger ist erlaubt, niemals aber mehr. So soll sichergestellt werden, dass die Versicherer keine Versprechen machen, die sie aufgrund mangelnder Renditemöglichkeiten am Kapitalmarkt nicht einhalten können.

So ergibt es sich, dass Versicherungskunden, je nachdem in welchem Jahr sie ihren Vertrag abgeschlossen haben, ganz unterschiedliche Verzinsungen erhalten, denn die Zinsgarantie ist ab Vertragsschluss fest vereinbart. Ein Vertrag, der vor Jahren mit einem Garantiezins von 4% abgeschlossen wurde, muss auch weiterhin so verzinst werden. Aktuell rechnen Experten damit, dass der Garantiezins in Kürze weiter abgesenkt werden wird, da die Niedrigzinsphase anhält und in der Coronakrise noch eine Wirtschaftskrise hinzukommt.

Wie wirtschaften Lebensversicherer mit dem Geld ihrer Kunden?

Das Thema, wie Lebensversicherer arbeiten, ist sehr komplex und kann hier darum nur in Ansätzen umrissen werden. Grundsätzlich bieten alle Lebensversicherer verschiedene Produkte an, wie zum Beispiel Berufsunfähigkeitsversicherungen, Kapitallebensversicherungen und auch Riester-Renten. Die Beiträge, die Kunden dort einzahlen, gehen zu einem Teil in einen großen, gemeinsamen Deckungsstock ein.

Das Geld im Deckungsstock liegt natürlich nicht auf einem Konto herum, sondern wird angelegt, um Zinsen zu erwirtschaften. Die Kapitalanlagen, die hierfür genutzt werden, sind vielfältig und spalten sich auf in z.B. Anleihen, Aktien und Immobilien. Hierdurch können Lebensversicherer auch in der Niedrigzinsphase im Mittel um die 2-3% Zinsen erwirtschaften.

Besonderheit bei Riester-Renten: 100%ige Beitragsgarantie

Im Gegensatz zu privaten Rentenversicherungen ist es bei Riester-Renten gesetzlich vorgeschrieben, dass Versicherer eine 100%ige Beitragsgarantie abgeben müssen. Das heißt, dass Kunden am Ende immer das herausbekommen müssen, was sie eingezahlt haben (inklusive der staatlichen Riester-Förderung). Diese Beitragsgarantie gilt jedoch nur zum Ende der Versicherungszeit hin, d.h. wenn der Versicherte im Rentenalter seine Riester-Rente ausgezahlt bekommt, muss das garantierte Kapital zur Verfügung stehen. Während der Laufzeit ist dies nicht der Fall, und der Versicherer kann damit in einem gewissen Rahmen wirtschaften. Darum ist es auch unvorteilhaft für Versicherte, einen Riester-Rentenvertrag während der Ansparphase zu kündigen – evtl. bekommt er dann weniger heraus, als er eingezahlt hat.

icon Problematik der Beitragsgarantie für Versicherer - und Sparer

Problematik der Beitragsgarantie für Versicherer - und Sparer

Aufgrund der Beitragsgarantie müssen Versicherer einen relativ hohen Teil der Prämie des Kunden in sichere Anlagen investieren, die in der Niedrigzinsphase nur sehr wenig Rendite bringen. Deshalb wird gelegentlich davon gesprochen, dass Beitragsgarantien “teuer” seien – Sparer verzichten zugunsten der höheren Sicherheit auf die besseren Renditen, die mit risikoreicheren Finanzanlagen zu erwirtschaften wären.

Selbst wenn Verträge einen Aktienanteil vorsehen, wie es bei fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen der Fall ist, kann unter Umständen nur ein geringer Teil in Aktien angelegt werden, da ein zu hoher Betrag für die Beitragsgarantie reserviert werden muss. Lösungsansätze dazu sind bereits im Gespräch. So wird vorgeschlagen, mit einer nur teilweisen Beitragsgarantie zu arbeiten, oder es dem Kunden freizustellen, ob er überhaupt eine Beitragsgarantie möchte oder nicht. Ob dies jedoch in Zukunft möglich wird, ist aktuell noch nicht abzusehen.

Wie wird die Prämie des Kunden verzinst?

Schließt ein Kunde einen neuen Vertrag für die Riester-Rente ab, rechnet der Versicherer genau aus, wie hoch die Rente am Ende bei einer bestimmten Beitragszahlung sein wird. Die garantierte Verzinsung kann maximal so hoch sein wie der Garantiezins in Höhe von aktuell 0,9%. Allerdings kann nicht der gesamte Beitrag des Kunden komplett verzinst werden. Wenn jemand beispielsweise monatlich 100 Euro in eine Riester-Rente einzahlt, werden nicht die gesamten 100 Euro verzinst, sondern Kosten und evtl. weitere Beträge zur Risikoabsicherung werden davon abgezogen. Wie sich der Beitrag genau aufteilt, hängt von der Art der Rentenversicherung ab.

Klassische Riester-Rentenversicherung

Bei sogenannten “klassischen” Riester-Renten wird das Geld des Kunden möglichst risikoarm angelegt. Dies bedeutet: festverzinsliche Anlagen statt Aktienfonds. Die spätere Rente steht bereits bei Abschluss des Vertrages fest, der Kunde hat damit also maximale Planungssicherheit. Die Verzinsung ist allerdings nur höchstens so hoch wie der Garantiezins, der aktuell bei nur noch 0,9% liegt. Wenn die Anlagestrategie des Versicherers gut ist, dann erhöhen Überschüsse die Rente weiter, diese können aber nicht vorausgesehen werden – sie können sowohl sehr gut ausfallen als auch nicht vorhanden sein. Dies macht klassische Riester-Rentenprodukte gerade eher unattraktiv. Viele Versicherer bieten inzwischen gar keine klassischen Tarife mehr an.

So wird die Prämie des Kunden aufgeteilt:

  • Tatsächlich verzinstes Kapital: Dies ist der größte Teil des Beitrags. Er wird im Deckungsstock des Versicherers angelegt und maximal mit dem Garantiezins verzinst.
  • Risiko: Kapital, dass z.B. für die Absicherung von Angehörigen im Todesfall verwendet wird.
  • Kosten: Verwaltungskosten und Provisionen werden ebenfalls vom Beitrag des Kunden abgezogen.

Fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen und Riester-Fondssparpläne

Bei der Riester-Fondssparplänen wird das Kapital des Versicherten sowohl im Deckungsstock des Versicherers als auch in Aktienfonds angelegt, um die höheren Renditechancen dieser Anlageform zu nutzen. Je nach Versicherer hat der Kunde eine Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Fonds.

  • Teil 1: Angelegt im Deckungsstock, dient zur gesicherten Finanzierung der Beitragsgarantie.
  • Teil 2: Angelegt in Aktienfonds. Hierdurch soll eine höhere Rendite erzielt werden; sie hängt allerdings von der Wertentwicklung der Fonds ab und ist vorher nicht garantiert.
  • Teil 3: Verwaltungs- und Provisionskosten

So funktioniert es: Der Versicherer rechnet aus, wie viel Kapital er zur Erwirtschaftung der garantierten Rente in den sicheren, aber eher niedrig verzinsten Anlagen im Deckungsstock anlegen muss. Bei einem monatlichen Beitrag von 100 Euro beispielsweise 50 Euro. Bei hypothetischen Kosten von 1,5% würden 1,50 Euro im Monat für die Kosten des Versicherers abgezogen, und 48,50 Euro blieben damit für die Anlage in Aktienfonds übrig.

Bestimmt der Garantiezins alleine die Rendite?

Nein, wie rentabel ein Riester-Vertrag ist, hängt auch davon ab, wie viele Überschüsse der Riester-Anbieter erwirtschaften kann. Sparer werden durch die Überschussbeteiligung am Erfolg des jeweiligen Jahres beteiligt.

Die Überschussbeteiligung kann durch höhere sogenannte Zinszusatzreserven, die Versicherer anlegen müssen um die geringen Kapitalerträge auszugleichen, niedriger ausfallen. Die Hoffnung ist, dass die Zinsen in Zukunft wieder ansteigen, und die Zinszusatzreserven dann aufgelöst werden können und den Kunden dann in Form der Überschussbeteiligung wieder zugute kommen. Falls die Zinsen sich weiterhin ungünstig entwickeln, kann es aber auch sein, dass die Zinszusatzreserve vollständig zur Sicherung der Beitragsgarantien gebraucht wird. Detaillierte Informationen zur Zinszusatzreserve und ihrer Auswirkung auf die Überschussbeteiligung gibt es bei der BaFin.

Kurz zusammengefasst: Wie garantieren Versicherer die Verzinsung?

  • 1. Faktor: Breit gestreute Kapitalanlagen. Im Deckungsstock der Versicherer befinden sich viele verschiedene, auch ältere Finanzanlagen, die verschieden hohe Zinsen erbringen. Versicherer sind also keinesfalls nur auf aktuell gängige, niedrig verzinste Anlagen angewiesen. Immobilien beispielsweise bringen grundsätzlich eine gute Rendite, da die Mieten konstant eher steigen als fallen. So können auch die höheren Garantiezinsen aus älteren Verträgen garantiert werden.

  • 2. Faktor: Beitragsgarantie gilt nur zum Ende der Laufzeit. Die Beitragsgarantie für den Kunden gilt zum Ende der Vertragslaufzeit. Erst dann müssen die eingezahlten Beiträge zur Auszahlung bereitstehen. In der Zwischenzeit kann das Kapital zum Wirtschaften genutzt werden.

  • 3. Faktor: Kostensenkungen und Anpassung der Strategie. Versicherer haben in der Niedrigzinsphase bereits ihre Kapitalanlagepolitik angepasst und eigene Kosten gesenkt, um die Zinsgarantie weiterhin abbilden zu können.

  • 4. Faktor: Zinszusatzreserven. Versicherer haben Zinszusatzreserven aufgebaut, die die Deckungsrückstellungen ergänzen. Dies geht allerdings zulasten der Überschüsse für die Kunden.