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Vorsorgekonto vs. Riester-Rente

Auch wenn der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm vor 20 Jahren etwas anderes behauptete: Die Rente ist für viele Arbeitnehmer keinesfalls mehr sicher. Deswegen hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich mit einer Alternative zur Riester-Rente befasst: dem Vorsorgekonto.

Claudia Täubner Beitrag vom 14. Februar 2019 von Claudia Täubner

Zuletzt aktualisiert am 10. 04 2019

Vorsorgekonto - alte Idee neu gedacht

Bereits 2012 diskutierte die Verbraucherkommission Baden-Württemberg erstmals die Idee des Vorsorgekontos als Reaktion auf die zunehmende Kritik an der Riester-Rente. Das Konzept wandelte sich im Laufe der Jahre in einigen Details, die Grundidee aber blieb die gleiche: Das Vorsorgekonto soll eine private Vorsorge unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung ermöglichen, die das Grundkonzept der Riester-Rente aufgreift, dieses aber zugunsten der Sparer optimieren soll.

icon Die Grundidee des Vorsorgekontos

Die Grundidee des Vorsorgekontos

Das Vorsorgekonto soll Sparern die Vorsorge fürs Alter ermöglichen, ohne dass dafür Vorsorgeprodukte in Anspruch genommen werden müssen, die von privatwirtschaftlichen Versicherungsunternehmen angeboten werden.

Deren Nachteil: Aufgrund des Gewinnstrebens der Unternehmen sind die Kosten – hauptsächlich Abschluss- und Verwaltungskosten – der Riester-Verträge sehr hoch, während eine Verwaltung durch die Deutsche Rentenversicherung lediglich zu Kosten zwischen 0,25 und 0,35 Prozent der Sparbeträge führen soll.

Vorsorgekonto und Riester-Verträge im Vergleich

Riester-Verträge wie auch Vorsorgekonten sind also Instrumente zur privaten Altersvorsorge. Der Idee nach sollen Sparbeiträge auf Vorsorgekonten die gleiche Förderung erhalten wie Riester-Verträge: 175 Euro Grundzulage plus ggf. Kinderzulagen und Berufseinsteigerbonus. Doch damit wären die Gemeinsamkeiten beinahe schon erschöpft – in der Detailbetrachtung zeigen sich auch jenseits der zu erwartenden Kosten deutliche Unterschiede zwischen beiden Vorsorgeformen.

Unterschied: Zielgruppe

Während Riester-Verträge hauptsächlich für Zulagenberechtigte – also Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung und ggf. deren Angehörige als mittelbar Zulagenberechtigte – interessant sind, soll ein Vorsorgekonto allen Deutschen zur Verfügung stehen, die irgendwann einmal in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Unabhängig davon, ob sie aktuell noch einzahlen oder nicht.

Unterschied: Beitragshöhe

Während die Beitragshöhe von Riester-Verträgen nicht selten langfristig festgeschrieben ist, sollen die Sparbeträge auf Vorsorgekonten absolut flexibel gehalten sein und sich somit auch an sich gegebenenfalls ändernde finanzielle Situationen der Sparer anpassen. Empfohlen wird auch hier wie bei Riester-Verträgen ein Sparbeitrag in Höhe von vier Prozent des Bruttolohns, maximal aber 2.100 Euro.

icon Entgeltumwandlung ist nicht vorgesehen

Entgeltumwandlung ist nicht vorgesehen

Eine weitere Gemeinsamkeit von Riester-Rente und Vorsorgekonto: Die Beiträge zu beiden Vorsorgearten sind nicht im Rahmen der sozialabgaben- und steuerbefreiten Entgeltumwandlung abführbar.

Grund: Diese Vorsorge soll nicht dazu führen, dass die Basis der gesetzlichen Rente eines Arbeitnehmers dadurch gesenkt wird.

Anlagepolitik und Garantien

Das Vorsorgekonto würde, wenn es eingeführt wird, zu einem Novum bei der Deutschen Rentenversicherung führen: Die angesparten Beiträge der Vorsorgenden gehören den Sparern selbst und werden in ihrem Namen geführt. Dies geschieht zwar bei der Deutschen Rentenversicherung, aber nicht durch deren Anlageexperten, sondern durch externe Vermögensverwalter.

Grund: Das auf Vorsorgekonten angesparte Kapital soll an der Börse investiert werden – in passiv gemanagten ETF-Portfolios, die einen Börsenindex nachbilden. Dies soll Risiken minimieren, aber gleichzeitig in Niedrigzinsphasen die Möglichkeit auf eine ordentliche Rendite sichern. Und dies gelingt der Studie „Aktie – die „neue Sicherheit“ im Depot“ von Allianz Global Investors zufolge am besten an der Börse. Sie zeigt auch: Das Rendite-Risikoprofil von Aktienanlagen wird im Vergleich zu Anlagen in Anleihen oder Festgeldern immer besser, je länger der Zeithorizont einer Anlage ist (Quelle).

icon Garantie für eingezahlte Beiträge

Garantie für eingezahlte Beiträge

Damit ein durchaus mögliches Verlustrisiko ausgeschlossen wird, soll es eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge geben. Was hingegen fehlt ist eine garantierte Mindestverzinsung wie bei Verträgen der klassischen Riester-Rentenversicherung. Diese liegt seit 2016 bei 0,9 Prozent. Die Mindestverzinsung muss allerdings nur auf die Sparbeiträge gewährt werden. Davon ausgenommen sind Vertriebs-, Verwaltungs- und Risikokosten.

Unterschied: Kapitalverwendung

Riester-Verträge dienen ausschließlich dazu, das Einkommen im Ruhestand in Form einer Zusatzrente zu erhöhen. Maximal 30 Prozent des angesparten Kapitals können bei Renteneintritt – frühestens ab dem 60. Lebensjahr – in einer Summe ausgezahlt werden. Versorgungskonten hingegen bieten drei Arten der Verwendung

Verwendungsarten des Vorsorgekontos

  • Den Standardfall bildet die klassische zusätzliche Altersrente. Hierbei wird das Vorsorgekonto bis zum Renteneintritt bespart. Das auf dem Konto befindliche Kapital wird anschließend in Form einer fixen monatlichen Altersrente ausgezahlt.

  • Das Kapital kann aber auch bereits vor Eintritt des Rentenfalls – frühestens aber nach 60 Monaten – für Zahlungen an die gesetzliche Rentenkasse verwendet werden, mit denen Abschläge auf Rentenzahlungen ausgeglichen werden können, die für einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand berechnet werden.

  • Mit den angesparten Geldern sollen ebenfalls Abschläge auf die Regelrente ausgeglichen werden können, die bei Erwerbsminderung auftreten.

Fazit

Bei allen vordergründigen Gemeinsamkeiten unterscheiden sich Riester-Rente und Vorsorgekonto an vielen Punkten. Einige der geplanten Eigenschaften des Vorsorgekontos sind unter Experten stark umstritten. Ob und in welcher Form genau das Vorsorgekonto den Weg in ein Gesetzgebungsverfahren finden wird, ist daher aktuell offen.

(Mehr Informationen zum Vorsorgekonto auf den Seiten der Friedrich-Ebert-Stiftung.)